Leitfaden für Kursanbieter: von der Akquise über die Gesuchstellung zur Umsetzung

1. «Einfach besser! ... am Arbeitsplatz»: praxisorientierte Kurse für Lesen, Schreiben, Computer, Rechnen und Sprache

Durch die digitale Transformation sind die Anforderungen an die Arbeitsplätzen gestiegen. Praxisorientierte Kurse tragen dazu bei, dass Mitarbeitende mit den laufenden Veränderungen besser umgehen können. Der Bund übernimmt einen Teil der Kurskosten.

2. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Akquise

Grundvoraussetzung für Erfolg ist ein Netzwerk aus Kontakten zu Unternehmen oder Vermittlern wie Branchenorganisationen oder auch Gewerkschaften. Um einen Auftrag zu erhalten, muss der Kursanbieter mit der Firma vertraut sein und ihre Sprache sprechen. Auch muss er die Bedürfnisse eines Betriebes richtig erkennen, die Arbeitsabläufe verstehen und die Anforderungen an die Grundkompetenzen richtig interpretieren. Auf diesem Fundament lassen sich Kurse entwickeln, die die Erwartungen der Auftraggebenden erfüllen.

3. Der Nutzen für Betriebe und Mitarbeitende

Den potenziellen Nutzen für das jeweilige Unternehmen zu vermitteln, ist entscheidend für den Beginn der Zusammenarbeit mit dem Betrieb. Im Argumentarium sind Nutzenargumente aufbereitet. Der Anbieter kann auf zahlreiche Erfolgsgeschichten (Stories) verweisen, die zeigen, dass sich praxisorientierte Kurse bereits vielfach bewährt haben und sich die Grundkompetenzen der Teilnehmenden nachweislich verbesserten. Inhalte und Kursmaterial sind auf spezifische Situationen an den Arbeitsplätzen auszurichten, um möglichst wirksam zu sein. Es hat sich gezeigt, dass Mitarbeitende nach dem Besuch solcher Kurse routinierter arbeiten, selbstsicherer sind, weniger Fehler machen und flexibler eingesetzt werden können. Das erhöht die Qualität der geleisteten Arbeit, verbessert die interne Kommunikation, beflügelt den Teamspirit und entlastet die Vorgesetzten.

4. Die Umsetzung im Betrieb
Die 5 Schritte der GO Methode in Kürze

Die GO Methode ermöglicht den Kursanbietern, den gesamten Prozess zu begleiten, effizient mit dem Betrieb zusammen zu arbeiten und so den Erfolg des Kurses sicherzustellen. Die GO Methode ist flexibel auf den jeweiligen betrieblichen Kontext anzupassen und funktioniert für alle Betriebsgrössen. Die Führungskräfte sind nach Möglichkeit eingebunden und in die Entwicklung und Umsetzung der Kursziele involviert. Jede erfolgreiche Umsetzung kann für die Akquise genutzt werden.

Link

  1. Anforderungsanalyse: Welche Kompetenzen benötigen die Mitarbeitenden in der Kommunikation, beim Lesen, Schreiben und Rechnen sowie im digitalen Bereich, um ihre Arbeit zu erledigen?
  2. Bedarfsermittlung: Wo stehen die Mitarbeitenden bezüglich der Anforderungen an ihren Arbeitsplätzen, welchen konkreten Lernbedarf haben sie?
  3. Kursentwicklung: Der Kurs wird auf der Grundlage von Anforderung und Bedarf entwickelt. Er ist massgeschneidert für jeden Betrieb, basiert auf konkreten Situationen und authentischem Material.
  4. Transfer: Konkrete Transferaufgaben sind Bestandteil des Kurses. Im Idealfall werden sie gemeinsam mit den Vorgesetzten identifiziert und am Arbeitsplatz umgesetzt. Damit wird sichergestellt, dass kurze Kurse einen messbaren Lernerfolg bringen können.
  5. Evaluation: Hat der Kurs den gewünschten Erfolg gebracht? Ist der Betrieb zufrieden?

Details zur GO Methode können in den GO Toolkits nachgelesen werden.

5. Erfolgsfaktoren

Damit die Kursanbieter erfolgreich agieren können, müssen sie die Herausforderungen der Branche und des Betriebs möglichst gut kennen. Sobald das Interesse des Betriebes geweckt ist, ist es zentral, von Anfang an alle relevanten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger einzubeziehen. Eine klare Formulierung des Auftrags mit Ansprüchen, Rahmenbedingungen und Zielen des betreffenden Betriebes sorgt für eine gute Verankerung des Kurses im Betrieb. Dazu gehört auch, dass der Betrieb eine interne Ansprechperson benennt, die gemeinsam mit dem Bildungsanbieter die Kursentwicklung und -umsetzung begleitet und steuert.

Dazu zählen die Analyse der Anforderungen der konkreten Arbeitsplätze und das Erfassen des Lernbedarfs der Mitarbeitenden. Die Kursentwicklung erfolgt auf der Grundlage von Anforderung und Bedarf, massgeschneidert für das Unternehmen. Wesentlicher Bestandteil des Kurses ist die gezielte Transferförderung. Sie stellt sicher, dass das Gelernte direkt am Arbeitsplatz umgesetzt werden kann.

Weiterführende Anhaltspunkte für Ausgestaltung und Umsetzung der Kurse geben die Stories.

6. Gesuchstellung bei Bund und Kantonen

Die Betriebe bei der Gesuchstellung zu unterstützen kann eine wichtige Dienstleistung der Anbieter sein. Daher ist es wesentlich, dass Anbieter die Förder- und Finanzierungskonditionen kennen. Die Anbieter sorgen für Transparenz bezüglich der Kosten für Kursentwicklung und -umsetzung sowohl im Hinblick auf die Kosten des Anbieters als auch auf die zu erwartende finanzielle Unterstützung des Bundes bzw. der einzelnen Kantone mit eigenem Fördermodell (AR, AI, BE, BS, SZ oder SG).

  1. Der Bund subventioniert praxisorientierte Kurse im Umfang von 20 bis 40 Lektionen mit einem Pauschalbetrag von 3’000 Franken für die Entwicklung des Kurses und beteiligt sich mit 15 Franken pro Teilnehmendenlektion. Pro Kurstag finden nicht mehr als 4 Lektionen à mind. 45’ für 3-12 Teilnehmende statt.
  2. Die Kurszeit gilt als Arbeitszeit und ist kostenlos. Er wird mit einer Teilnahmebescheinigung abgeschlossen.
  3. Bedingung ist, dass die Grundkompetenzen praxisorientiert geschult werden und der Transfer des Gelernten an den Arbeitsplatz gewährleistet ist.
  4. Antragsteller sind die Unternehmen selbst, subventioniert wird die Beratungs- und Bildungsleistung des Kursanbieters.
  5. Die Differenz zu den Vollkosten übernimmt der Betrieb.

Gesuche, die im Bereich Grundkompetenzen angesiedelt sind und alle weiteren Konditionen des Bundes- oder kantonalen Programms berücksichtigen, werden mit höchster Wahrscheinlichkeit gefördert.

Die Kommunikationsplattform «Einfach besser! ... am Arbeitsplatz» dient als Informationsquelle für Betriebe und Anbieter bezüglich aller Fragen, die Finanzierung und Gesuchstellung betreffen. Bei Unklarheiten empfiehlt es sich, die Auskunftspersonen beim SBFI oder dem zuständigen Kanton direkt zu kontaktieren.

7. Alles aus einer Hand: Die Anbieter erbringen eine Bildungs- und eine Beratungsleistung

Kursanbieter erbringen neben der Bildungsleistung eine Beratungsleistung, die für den Erfolg des Kurses wesentlich ist. Die Zusammenarbeit zwischen Bildungsanbieter und Betrieb führt nicht nur zu einem effektiven Kurs, der sich positiv auf die Handlungsfähigkeit und das Selbstbewusstsein der Mitarbeitenden auswirkt. Die Beratungsleistung des Anbieters umfasst auch, Potenziale und Motivation der Mitarbeitenden zu erkennen und bezüglich möglicher weiterer Lernschritte zu beraten. Um diesen Service erbringen zu können, ist es nötig, das Angebot an weiterführenden Kursen im Bereich der Grundkompetenzen in der Region zu kennen. Besonders wichtig erscheinen einerseits Grundkompetenzkurse und Sprachkurse sowie Angebote im Bereich Grundkompetenzen, die auf den Erwerb eines Berufsabschluss vorbereiten.

Die Botschaft in den einzelnen Betrieb zu tragen, wie praxisorientierte Kurse einen konkreten Nutzen für Betrieb und Mitarbeitende bringen können, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Akquise.

Kontakte und Informationen

Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)
Marie-Louise Bartlome
058 467 16 61
weiterbildung@sbfi.admin.ch

Schweizerischer Verband für Weiterbildung (SVEB)
Cäcilia Märki
044 319 71 58
caecilia.maerki@alice.ch

Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben 
Pascale Mencaccini
031 508 36 17
pm@lesen-schreiben-schweiz.ch